Deutsche Drehbuchautoren können nicht streiken, weil sonst irgendein anderer Stammtischsäufer ihre Jobs übernimmt.

Was niemals lustig war kann niemals sterben.

Seit gestern streiken die Drehbuchautoren der WGA, ein Ereigniss, dass nicht nur amerikanischen Produzenten schlaflose Nächte bereitet. Klar, Letterman, Leno, LOST und Co sind ohne Drehbücher aufgeschmissen, aber wer den Schaden nur bei US-Produktionen vermutet, hat zu kurz gedacht. Auch deutsche Sender wollen neue Shows produzieren, sie müssen sogar, denn aktuelle deutsche Sendeformate sind meist so schlecht, dass sie gleich nach der ersten Staffel wieder eingestellt werden (wenn das nicht schon nach dem Piloten geschehen ist). Also muss neues Material her, aber woher nehmen wenn nicht stehlen? Und da der hintere Teil dieser Frage für deutsche Produzenten und „Autoren“ kein Hinderungsgrund sondern Haupteinahmequelle ist, wird eben gestohlen, vorzugsweise von amerikanischen Serien, Sitcoms und Shows.

Nur gut, dass man in Deutschland nicht unbedingt den Anspruch hat, cutting edge zu sein. Es muss ja nicht immer das Aktuellste geklaut und verwurstet werden, in mageren Zeiten kann man glücklicherweise auf eine große DVD Sammlung zurück greifen. Und das Tolle ist: Der Ideenreichtum einer amerikanischen Serie reicht für zwei bis drei deutsche Equivalenzprodukte! Nehmen wir als Beispiel mal Curb your Enthusiasm. Nach der Auschlachtung wurde zwar der Großteil des Kadavers von Pastewka verzehrt, aber dank der begrenzten Aufnahmefähigkeit der minderwertigen Kopie bleibt immernoch ein kleiner Rest an frei liegender Kreativität über, an der sich auch noch weniger ambitionierte Projekte satt fressen können. So genügte Beispielsweise Mike Krüger bereits ein Augapfel oder ein kleiner Zeh von Larry David um seine neue Sendung Krügers Woche zu erfinden. Um eine Metapher aufzugreifen:Wenn Pastewka der unlustige deutsche Stalker von Curb your Enthusiasm ist, der am liebsten ganz genauso wäre wie sein Opfer, aber dank fehlendem Talent und krankhafter Unoriginalität niemals auch nur in die Nähe des Vorbilds kommt, dann ist Krügers Woche sein 70 jähriger, wegen Vergewaltigung vorbestrafter Großcousin.

Mike Krüger spielt in Krügers Woche eine neurotische, erfolgreiche und deshalb fiktive Version seiner selbst. Ähnlich wie Pastewka verlangt die Serie vom Zuschauer ein gewaltiges Maß an suspesion of disbelief was die Darstellug von abgefrakten B-Prommies als erfolgreiche Superstars betrifft. Der Unterschied zu Curb your Enthusiasm besteht, ganz abgesehen vom gigantischen Niveaugefälle des Humors, darin, dass man Larry David den Superstar abkauft, u.a. weil er einer ist. Mike Krüger ist keiner. Er ist leider auch kein guter Schauspieler, bzw. er ist gar kein Schauspieler, sondern nur ein kalauernder Karnevalsclown. Das wissen die Produzenten von Krügers Woche natürlich auch, aber da man Harald Schmidt offensichtlich nicht bekommen konnte und es anscheinend ein ungeschriebenes Gesetz im Unterhaltungsbuisness gibt, welches besagt, dass der Verwesungsprozess einer jeden TV-Leiche, egal wie ätzend, unausstehlich und modrig sie auch sein mag, immer und zu jeder Zeit für die Öffentlichkeit ersichtlich sein muss, hat man sich für Krüger entschieden.

Da ich keine Lust habe die Handlung einer typischen Folge Krügers Woche wiederzugeben verweise ich auf diesen Wikipedia Eintrag. Es sei nur so viel schon verraten: Die Zutaten einer Episode sind Kalauer, Kalauer, alt Herrenwitze und Kalauer, die Krüger und seine Helfershelfer mit dem Witz und dem Esprit einer Rheumadecke runterrattern. Tempo und Spontanität der Zoten erinnern an 7 Tage 7 Köpfe, also an die maschinelle Produktion von Gebissprothesen. Die beiden unangenehmen Herren, die Krüger die bleischweren „Pointen“ zu spielen sind übrigens die Drehbuchautoren Peter Rütten und Frank Streffing, die sich selbst spielen (Was nur Sinn macht. Warum noch einen Mittelmann zwischen schalten wenn die uncharismatischen Autoren das miese Material selbst ablesen können?)

Besonders Rüttens Vita liesst sich wie das Strafregister eines pathologischen Humorkillers, unter anderem war er „Chefautor, Producer, Darsteller und Stimme der Freitag Nacht News“, was allein schon mit einer langjährigen Freiheitsstrafe vergütet werden sollte. Zu Frank Streffing habe ich per Google rausgefunden, dass er gerne Interviewbogen der Jungen Freiheit ausfüllt. Irgendwie passt das alles.

Abschliessend bleibt noch anzumerken, dass Krüger Woche vor Publikum aufgenommen wird und dabei ähnlich professionell wirkt, wie eine Laientheatergruppe in der Fußgängerpassage. Warum sehen sogar 200 Jahre alte Folgen von Cheers oder Der Prinz von Bel Air besser aus als diese moderne Produktion?

Warum?

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3 Comments on “Deutsche Drehbuchautoren können nicht streiken, weil sonst irgendein anderer Stammtischsäufer ihre Jobs übernimmt.”


  1. Schließe mich vorbehaltslos an.

    Gestern nach LOST kam wie üblich „Tramitz & Friends“ (auch wenn nach der ersten Folge der 3. Staffel einmal „Krügers Woche“ auf dem Programm stand, was sich aber zum Glück erledigt hat), und das war, gelinde gesagt, erschreckend: jede noch so kleine Pointe wird ohne jeden Sinn für Komik totgeritten – wenn es überhaupt eine Pointe gab.

    In Deutschland herrscht die mediale Meinung vor, es würde genügen, leidlich bekannte Promi-Köppe in die Röhre glotzen zu lassen, und die Leute sind begeistert. Und das stimmt vielleicht sogar.

  2. rotkehlchen Says:

    Oh Gott „Tramitz &Friends“ ist so übel. Früher dachte ich Christian Tramitz wäre von den drei Bullyparadisten noch der witzigste. Diese Fehleinschätzung hat er dann in seiner Soloshow ziemlich schnell korrigiert.


  3. [...] Ein dazu passender Text vom Rotkehlchennest. Einem Blog, auf dem in sehr regelmäßig unregelmäßigen Abständen die reine Wahrheit [...]


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